Rüdiger Kündgen

 

 

Portrait Rüdiger Kündgen

 

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Vorwort zum Katalog der Ausstellung "Itinera - Wegbeschreibungen" von 1999

 

 

Wer Rüdiger Kündgens Gemälde über längere Zeit verfolgt hat, meint, in den letzten Jahren einen Wandel zu bemerken. Früher war es eine allumspannende Malgeste, mit der er große Landschaften unter hohem Himmel gleichsam in sich einsog, in denen Welt und Weite pulsierend hin- und herfluteten, so als seien sie angespornt von der Flüchtigkeit des Augenblicks; Fernsichten mit keinem oder nur spärlichem Vordergrund, in deren Tiefe sich zwar ein Baum, ein Haus befinden mögen, die aber als Teil der Landschaft aus ihr hervorwachsen, immer auf dem Sprung, sich wieder in sie zu verflüchtigen. Hierbei ist die vorübergehende Wetterstimmung stets als mitgestaltendes Element gegenwärtig, ebenso wie das Bewußtsein um die großen - letztlich ebenfalls flüchtigen - Zeiträume der Erdgeschichte, die verändernd und umschichtend das Schicksal einer Landschaft, ihr Werden und Vergehen ausmachen: Metamorphosen in ewigem Fließen.

Auch monumentale Stilleben gehören hierher, gemalt mit zumeist festem, manchmal beinahe impressionistischem Pinselstrich, in einer "konkreten Abstraktion", die niemals ihren gegenständlichen Ausgangspunkt verleugnet.

Seit nicht allzulanger Zeit hat sich hierbei etwas verändert. Das Figürliche bekommt neue Bedeutung, rückt dem Betrachter näher, entzieht sich ihm aber auch gern: tänzerische Szenen von duftiger Zartheit, die scheinbar aus dem Wesenlosen gerinnen und, indem sie etwa eine Bühnenhandlung darstellen, sich selbst in ihrer Dramatik relativieren und in geschichtlich gewordene Ferne rücken. So, als wollten sie sagen, auch das bedenklichste Tun und Lassen des Menschen sei nichts als ein Hauch, der sich verknoten mag, sich aber auch wieder lösen wird.

Und dann hier auch das sprechende Symbol-Motiv des Weges, der Raum und Welt erschließt und dabei den, der ihn geht, bald führt und bald verunsichert, bald trägt und wieder verläßt.

Oder: Aktstudien von lapidarer Einfachheit, geheimnisvoll unverfügbar, mit scheinbar schnellem Strich gemalt, aber in nichts mehr veränderbar. Wie bereits früher  bildet sich der Tiefenraum aus flächigen Strukturen, die einander in Spannung und Gleichgewicht halten.

Ist hier wirklich ein Wandel geschehen? Nur vordergründig, denn nie hat Rüdiger Kündgen "laute" Bilder gemalt, immer war seine Grundstimmung die der Verhaltenheit, des aufmerksamen Hinhörens auf Harmonien, Schwebungen, Vorübergänge. Hierin ist er sich gleichgeblieben, hat uns aber dennoch eine neue, überaus betrachtenswerte Seite aufgeschlagen.

 

 

Dieter Ahrens